My journey (2)

Es wäre wünschenswert, wenn die Musik erneut Kunststatus bekommen könnte. Ein Kunstmaler, welcher andauernd jemand anderen kopieren würde, hätte höchstens den Status eines Kunstfälschers erlangt. Ein Musiker kann sich (nur) dann weiter entwickeln, wenn er andere imitiert. Hat er dabei ein einzigartiges Erlebnis mit den Tönen, weiß er fortan, dass er seine musikalischen Gedanken teilen will und/oder er fängt an zu komponieren. Irgendwo dazwischen kann sich noch ein anderes Gefühl einschleichen, nämlich: der unbedingte Wille erfolgreich zu sein. Das bedeutet häufig, dass man sich entweder dem, was zeitgemäß ist beugt und somit der eigenen Kreativität nur begrenzt den Freiraum gibt (für einen Kunstmaler wäre das ein Todesurteil!) oder, dass man zeitgemäß ist.
Was bedeutet zeitgemäß? Der übliche Gedanke in der Popkultur ist: modern, zeitnah, am Puls der Zeit, aktuell. Es gibt aber auch andere Synonyme, welche anscheinend oft übersehen werden: fortschrittlich, neuartig, progressiv, neuzeitlich, aufgeschlossen. Und so ist die Musikwelt heute leider nicht mehr. Wen wundert es dann noch, dass es immer weniger Zuhörer gibt, welche sich die Frage nach der neuen oder tonal aufgeschlossenen Musik stellen. Musik an sich ist aber ein elementarer Teil unseres Lebens geworden und irgendwann verband man sie mehr mit dem Entertainment und den Verkaufszahlen, statt ihr das Erlebnis mit den Tönen zu gewähren. Für die Musikwelt und ihre Vielfalt war das ein Todesurteil! Die kreativen Musikrichtungen, wie z. B. Jazz, Soul, Rock etc., welche bis in die 80er fast gleichen Anteil wie Popmusik hatten, wurden zurückgedrängt.
Zurück zu meiner Geschichte…zu meinem musikalischen Werdegang.
Ende des Jahres 1999 gründete ich gemeinsam mit Stefan, dem Gitarristen (in „My journey (1) zum Nachlesen), die Band „No Skills“. Wir spielten eine Mischung aus Sade bis Metallica – so die Aussagen des Publikums. Was uns fehlte, war ein Konzept, wo das Ganze hingehen sollte. Die anfängliche Ochsentour schien erfolgreich zu sein, weil wir jedes Mal viele Menschen erreichen konnten.
Wo es aber keinen Konzept gibt, kommen irgendwann Probleme, Missverständnisse und Sorgen. Wir hielten fast neun Jahre an unserem Traum fest! Es ist egal, wie lange man an die eigene Musik glaubt: ein konzeptloses Projekt bringt nur selten Erfolg mit sich. Da hilft es auch nicht, die Bandname ständig zu verändern oder sich immer neue Musiker zu suchen.
Emotionslos betrachtend ist eine Band ein Produkt. Lieder sind die Zutaten, welche das Produkt zusammenstellen und letztendlich darstellen. Erst wenn man die Gefühle des Erschaffenes weglässt, kann man den Sinn des Ganzen verstehen. Manche wissen das früher und andere brauchen Jahre, um es akzeptieren zu können oder sie verbittern an utopischen Hoffnungen.
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I took my journey

Obwohl mich viele andere Hobbys begeisterten, verlor ich mein Herz an die Musik. Sie schien mir kostenlos zu sein, deshalb am nächsten zur Seele. Ich ahnte nicht, was meine Seele mitteilen konnte, also suchte ich zuerst nach Vorbilder. Sade hat die Melancholie, welche mich bewegte und Janis Joplin die raue und schmerzverzogene Stimme, welche mich an die umgebende Welt erinnerte. 
Dennoch, wie der Zufall das wollte, war meine erste Band eine Heavy Metal Band. 
Ich hatte eine Idee: ein Club-Festival mit mindestens zehn Bands in unterschiedlichen Genres. Ich wollte beweisen, dass in nahezu jeder Subkultur Musikliebhaber zu finden sind. Also warum nicht mal ein anderes Musikgenre hören. Ich kann es kaum in Worte fassen, wie großartig dieser über fünfstündige Event gewesen war. Der Deal mit dem Clubbesitzer war simpel: die Hälfte der Tür-Einnahmen ging an die Bands. Die Mundpropaganda war riesig, weil es so etwas in meiner Heimatstadt noch nie zuvor gegeben hatte und am Ende waren alle mehr als zufrieden. Dort lernte ich die Jungs von der Band Strado Vardis kennen und fing an zu brüllen. Schwarze Klamotten, schwarze Lippen, Tattoos und schwarze Gedanken inbegriffen. 
Erst durch das Amateurtheater „Klaps“ und die Teilnahme am Theater-Workshop öffnete sich für mich eine andere Türe. Ich hörte die ersten Aufnahmen von meiner Stimme, sah die Begeisterung des Komponisten und die Zuhörer und wusste auf einmal, was mich ausmacht. Alles andere waren Hilfslinien, die Musik war das Motiv meines Lebens.
Ich muss zugeben, dass der Bassist von DragonFly, welcher mich angesprochen hat (im Beitrag „Learning by doing (part one)“ zu lesen) kein Unbekannter war. Er galt als einer der besten Bassisten in der Stadt (Bialystok). Ich konnte es kaum fassen, dass er gerade mich zum Vorsingen einlud. 
Meine persönlichen Erfahrungen zeigten mir, dass ein musikalischer Werdegang sehr stark von Zufällen und vom Glück abhängig ist. Vor allem das Finden der passenden Musiker, welche die gleichen Ziele verfolgen, erweist sich häufig als eine schwere Hürde. Die schwerste überhaupt. DragonFly konnte diese Hürde nicht nehmen. Der Bassist war sehr egozentrisch, konnte aber den schnellen Erfolg nicht verkraften. Umso mehr Menschen ich mit meiner Stimme begeistern konnte, desto mehr abwertende Kritik hörte ich im Proberaum von ihm. Umso mehr Menschen unsere Musik mochten, desto mehr versuchte er sie zu verändern. Der Untergang war leider vorprogrammiert. 
 
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Learning by doing (part four)

Die Frage, warum ich meine musikalische, aber auch gesellschaftliche Erfahrungen in diesem Blog beschreibe, ist berechtigt. Warum tue ich das? Ich habe nicht mal das Gefühl, dass es besonders jemanden interessiert, was ich zu mitteilen habe. Ich schreibe keine Make-up, Mode oder Lifestyle Tipps, sondern nehme die Leser lediglich mit auf die Reise zu meiner Passion. Ich bringe meine Texte näher und lasse in meine Seele blicken. 
Na ja, wäre ich eine bekannte Entertainerin, könnte ich vielleicht darauf verzichten. Die Zeitungsartikel würden viele Behauptungen über mich aufstellen, was automatisch Publicity mit sich ziehen könnte. 
Tue ich das, um Menschen zu erreichen? Oh ja! Natürlich!
Nur durch das Interesse der Fans, entsteht ein Künstler und es entwickeln sich neuen Ideen. Sie sind die „Beruhigungspillen der Kunst“. Mit meiner Idee des „black balk community“-Striches auf meinen Lippen, welches das aktuelle Programm meiner Band uns somit die Inhalte meiner Texte definiert, versuche ich auf meine Art und Weise und mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln Euch, Dich, jemanden zu erreichen. Es ist nicht spektakulär, weil es hier auf die Musik und auf die Aussage kommt. Es ist nicht populär, weil es keine populären Themen anspricht. Es ist zum Fühlen da, um Gehör zu finden.
Ich suchte vergeblich nach Künstlern, welche meine Gefühle trafen. Fast alle meine Idole sind bereits vor meiner Geburt oder während ich aufwuchs gestorben. Deshalb fing ich schon mit neun Jahren an erste Poesie zu schreiben, dann ein paar Jahren später Lyrics. Um das, was ich nicht zu hören bekommen habe, für mich selbst hörbar zu machen. Ich bin mein eigenes Sprachrohr geworden 😉
Und jetzt bin ich hier. Wenn Du alle meine Beiträge gelesen hast, weißt Du viel mehr über mich als manche Konzertbesucher. Du weißt jetzt, worüber ich mir Gedanken mache und was viele meiner Texte beinhalten. Du kannst entscheiden, ob es wert ist meine Kreativität zu unterstützen. Es liegt an Dir, ob es als Kunst betrachten werden kann.
 
Im nächsten Betrag „I TOOK MY JOURNEY“ werde ich an meinem persönlichen und musikalischen Werdegang anknüpfen und weitere Banderfahrungen beschreiben. 
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Learning by doing (part three)

Komische Geschichte, aber die psychedelische Musik entdeckte ich durch die Serie „Twin Peaks“. Die jazzigen Parts des Soundtracks, welche meine Ohren bereits als wohltuend empfunden hatten, hörte ich gerne beim Lernen. Keine verrückten Kopfweh-Soli, sondern monotone Tonabfolgen. Die Melancholie wird in anderen Liedern mit psychedelischen Gefühlstönen vermischt, welche David Lynch den Bildern persönlich gibt. Diese Töne trafen mich direkt in die Mitte. Alle meine Sorgen, negativen Gedanken und mein Schmerz schienen endlich einen Ventil gefunden zu haben: Music. Psychedelische Music. The Legendary Pink Dots. Joy Division. Bauhaus. Sonic Violence. Sie alle erklärten mir, was eine Seele sieht. Ihr Selbstmitleid nahm mir die Last weg, welche ich mir eingeredet habe zu tragen. Sie wurden zu meinem Sprachrohr.
Bevor ich mich komplett von der Welt abschotten wollte, entdeckte ich für mich die Musik der 70er/Anfang 80er Jahre u.a. Pink Floyd, The Doors, Janis Joplin, Led Zeppelin und Bob Marley. Sie verbanden Melancholie und Musik. Ihre Texte beinhalten Aussagen, welche mich als Zuhörerin erreichten und mich persönlich bereicherten. 
Genau so was brauchte ich! Da wackelte keiner mit dem Arsch, um ein paar politische Themen anzusprechen. Ganz einfach, weil es die Ernsthaftigkeit in Frage stellte. Die Nacktheit war durch die Flower Power Bewegung beinahe natürlich. Ein „Nippel-Blitz“ wurde damals höchstens erregen, aber nicht aufregen. 
Es geht doch hauptsächlich um die Musik, um das Können und um die Persönlichkeit. 
Wer lieber die belanglosen und nichts sagenden Texte mag und sich nur für die „universellen Akkord-Abfolgen“ begeistern lässt, lebt genau so glücklich, wie jemand der die tiefsinnigen und zum Denken anregende Texte sucht und die Musik, wie ein Kunstbild betrachtet. Auch darin wird man kaum eine neue Farbe finden können, aber ein neues Motiv, ein anderer Blickwinkel, ein persönliches Gefühl.  
 
Bis zum nächsten Beitrag…
Socha B.

Learning by doing (part two)

Zum Jazz kam ich zufällig mit 12 Jahren.
Nachdem ich bei der Prüfung zum klassischen Gesang den Rat bekommen habe, eher in Jazz/Rock Richtung zu gehen, langweilte ich mich im Schulchor. Mit zwei Klassenkameradinnen gründete ich ein A’Capella-Trio. Wir traten hauptsächlich auf Strassenfesten auf und sangen unsere Idole nach. Auf einem dieser Feste, sah ich einen Jazzchor und war sofort begeistert von der Musik, von den vielen Interpretationsmöglichkeiten, von der musikalischen Freiheit. 
Ich fand heraus, dass sie in meinem Bezirk probten. Im gleichen Jugendhaus nahm ich Malunterricht und zwar beim Hausherrn. Ich quatschte ihn an und er besorgte mir einen Vorstellungstermin. 
Die Chorleiterin (Frau X) war eine junggebliebene, positiv verrückte Persönlichkeit und ich mochte sie. Wir hatten sehr viele Auftritte und immer wieder wurde einer krank. Frau X fing an, mich in die verschiedenen Stimmlagen einzusetzen, was mich wahnsinnig gemacht hat. Damals verstand ich ihre Aussage nicht: schau mal, du kannst dich glücklich schätzen, dass du diese Stimmlagen bedienen kannst. Ich dachte, dass sie mich überfordern will, damit ich versage. Ich wollte ihr diese Freude nicht machen, weshalb ich den Chor verlassen habe. 
Die Musik behielt ich aber in mir.
Bis zum nächsten Beitrag…
Socha B.

Learning by doing (part one) – Fortsetzung von „Genesis“

Rehearsal
Hessenschau in Diezenbach
Ich spielte in der Amateur Theatergruppe „Klaps“ mit. Bei einem deutsch-polnischen Experimental-Workshop erarbeiteten wir gemeinsam mit „Felix“, einer Theatergruppe aus Berlin, eine Pantomime „Wir / My“. Dabei lernte ich einen Komponisten kennen. Am zweiten Abend, bei einem Kennenlernen-Lagerfeuer, hörte er meine Stimme und war verblüfft, wie tief-klangvoll sie klingt und das mit 16 Jahren. Er nahm ein Cover-Lied mit mir auf und sagte, dass ich unbedingt weiter machen muss, am besten in verschiedenen Genren, um mein Ding zu finden und immer daran fest zu halten. Hey! Sein Wort war mein Befehl 😉 
Ich weiß nicht mehr, wie es dazu kam, dass mich schon zwei Wochen später ein Bassist von der Band „Dragon Fly“ angesprochen hatte und mich zum Vorsingen einlud. Sie spielten eine Mischung aus Funk und Rock-Blues. Also nach Jazz, Psychedelic und Heavy-Metal wieder was neues für mich. Das erste Kurz-Programm war bereits geschrieben. Nach drei Monaten proben, gewannen wir Sonderpreis bei einem Wettbewerb und spielten als Support für eine bekannte Band (Houk). Es war unerwartet und spannend so schnell ein Teil der Musikwelt zu sein, auch wenn es kurz und nur regional war. Wir spielten acht Auftritte in zwei Monaten und das als eine unbekannte Band! Heute ist das meist undenkbar.
 
Hier ein Erklärungsversuch, der lediglich auf meine persönlichen Erfahrungen zurückgreift: damals spielten keine Cover-Bands in Clubs, sondern waren eher bei Hochzeit- und Geburtstagsveranstaltungen tätig. Dadurch gab es für allerlei Bands, welche eigene Musik gespielt haben, unzählige Auftrittsmöglichkeiten. Man kannte jeden und half auch gerne anderen. So wie Cover-Bands sich auch kannten und gegenseitig halfen. Alle bedienten unterschiedliche Sparten und keiner versalzte die Suppe. Keiner wünschte sich „Smoke on the water“ beim Empfang, wo wiederum eher Jazz-Standardbands auftraten. Clubs, Festivals und Musikbars waren froh, verschiedene Subkulturen zu erleben und allen Musikrichtungen freien Raum für Kreativität zu bieten. Weshalb sie auch mit Publikum voll gefüllt waren. Keine Band musste Eintrittskarten vom Veranstalter abkaufen, um zu spielen oder gar für den eigenen Auftritt bezahlen (pay to play)!
Was geht ab?! 
 
Bis zum nächsten Beitrag…
Socha B.

Genesis

Wo ein Anfang ist, dort ist auch ein Weg.
Die Aussage: „Ich singe, seit ich denken kann“ kennt Ihr zu gut, deshalb verzichte ich darauf und schreibe stattdessen über ein paar entscheidende Momente aus meiner Kindheit: meine ersten bewussten Gesangs- bzw. Auftrittswahrnehmungen.
Ich erinnere mich, dass wir bei einem irgendwie alt und gebrechlich wirkenden Mann zu Besuch waren. Da ich aber erst fünf Jahre alt war, könnte es sein, dass er auch nur krank war. Ich meine, in dem Alter wirken alle Menschen, die über vierzig sind, alt und gebrechlich. Die sämtliche Vorstellungen begrenzen sich auf die eigene Familie.
Ich weiß noch, dass mein Papa dabei war. Ich sang ein trauriges Volkslied, dessen Text mich gar nicht berührt hat, bis zu diesem Tag. Bis ich zum ersten Mal die „fremden“ Emotionen gespürt habe. Bis ich sah, dass mein Gesang einen fremden Mann zum Weinen bringt. Bis ich begriffen habe, wie Wörter die tief versteckten Gefühle erreichen und einen zum Loslassen helfen können. Es war magisch und emotional zu gleich. Magisch, weil ich ab diesem Tag meine größte Liebe – die Musik – nie mehr missen wollte. Emotional, weil ich an diesem Tag erfahren habe, was fühlen bedeutet.
Im gleichen Jahr wurde mir bestätigt, dass mein musikalisches Interesse rein natürlichen Ursprungs ist. Zwei Dozenten aus der Städtischen Musikschule suchten nach Talenten in meinem Kindergarten. Aus über hundert Kindern wählten sie zwei Naturtalente aus…und ich war eins von diesen Kindern. Das wäre so schön, wenn ich tatsächlich in dieser Schule meine Grundausbildung absolviert hätte, aber meine Eltern waren sehr jung und mehr mit sich selbst beschäftigt. Meine Geschwister und ich waren zur Zeit das ungewollte Übel ihrer Beschäftigung.  
Ich war bereits zwölf Jahre alt und nach unzähligen Auftritten mit verschiedenen Chören und bei unterschiedlichen Wettbewerben, wollte ich mein Schicksal in eigene Hände nehmen. Ich nahm an einer Vorstellungsprüfung für klassischen Gesang teil. Dort wurde mir geraten, meine natürlich rau klingende Stimme in einer Hochschule für Jazz, Blues und Popularmusik ausbilden zu lassen, damit diese natürliche Gabe nicht verloren geht. Leider war der Standort der nächsten Schule so viele Kilometer entfernt, dass ich in dem Alter diese Hürde nicht alleine bewältigen konnte.
Trotzdem oder gerade deswegen: seit diesem Moment war jeder weitere Tag ohne Musik unerträglich für mich. 
Musik ist mein Weg. Sie ist mein rettender Begleiter. Meine Seele. 
Bis zum nächsten Beitrag…
Socha B.