My journey (4)

Heute will ich versuchen, ein paar Erlebnisse des „Musikgeschäfts“ zu beschreiben. Ich möchte nicht die Meinung vertreten, dass es nur schadet oder ausbeutet. Grundsätzlich gilt, dass niemand dazu gezwungen wird, sich musikalisch zu äußern. Ob meine Musik oder mein Gesang gut sind, entscheide ich nicht selbst, sondern die Zuhörer. Ich kann aber durchaus die Anerkennung wahrnehmen und pflegen. Das ist das Mindeste.
Vor allem all das, was vor und nach einem Auftritt passiert, bringt unvergessliche Erlebnisse mit sich. Ich werde nie vergessen, wie überrascht ich war, als mich nach dem Auftritt auf dem SchloßGrabenFest (2001 mit NoSkills) ein Polizist ansprach. Mein Deutsch war noch nicht so ausgeprägt, dass ich einen hessischen Dialekt sofort verstehen konnte. Ich grinste, weil ich ihn eben nicht verstanden hatte. Er wiederholte: Tolle Stimme. Kann man Deine CD irgendwo kaufen? Dann verstand ich ihn, war erleichtert und antwortete: Nein. Leider nicht. Noch nicht. Er fügte hinzu: Echt toll. Mach’ weiter so! Was sagt man dazu? VIELEN DANK!
Der Auftritt auf der Hessenschau 2002 in Dietzenbach zeigte mir die Professionalität der Mitarbeiter, welche solche Veranstaltungen durchführen. Ich fühlte mich umsorgt und wohl. Man geht ausgeruht auf die Bühne und gibt gerne alles, weil es einem wie im Musikhimmel vorkommt. Der Bühnensound stimmt. Die Lichtanlage funktioniert. Die Stage-Crew hellwach. Das Publikum begeistert.
Es gab auch kuriose Situationen. Da war dieser Auftritt mit NoSkills bei einem Gummibärchen-Hersteller 2008. Einer reicher als der andere. Das Benehmen unwürdig bis kaum auszuhalten. Wenn Geld das Zahlungsmittel für die Abartigkeit sei, dann war ich dort die Zeugin des Auszahlungstages. Unmöglich! Ok, ich nehme ein Beispiel: das Essen hatte sich um 20 Minuten verspätet, also nahmen die Reichen tatsächlich ihre Messer und Gabeln und hauten auf die Tische mit den Wörtern: „Wo ist das Essen?!“. Immer und immer wieder bis es serviert wurde. Die Bedienungen taten mir richtig Leid, weil sie sich von jedem die Beleidigungen anhören mussten. Zur Anerkennung unserer Geduld, kochte uns der Chefkoch je ein Extra-Gericht. Delicious. Kurios war, dass nach unserem Auftritt – ich sass im breiten Ausgangsflur – sich fast jeder Gast vor mir leicht verbeugte und sich manche sogar bedankten. Wow! Also kultiviertes Benehmen, wenn es um Kultur geht, aber kein Benehmen, wenn es um die einfachsten Bedürfnisse geht? Echt lehrreich.
Die beste Lehrstunde des Musikgeschäfts hatte ich in der CentralStation im Jahr 2000. Dass ich mit 39 Grad Fieber und fehlender Stimmkraft auf die Bühne ging, war ohne Frage waghalsig. Bis dahin miss ich mich an meiner Stimme…sie war und ist mein Kapital. Dann kam mir eine Idee. Ich bin, für mein Verständnis, praktisch halbnackt aufgetreten, um den Fokus auf meinen Körper zu richten und von meiner fehlenden Stimme abzuwenden. Es hat tatsächlich funktioniert! Ich konnte die überraschend vielen männlichen Komplimente nach dem Auftritt natürlich gar nicht ernst nehmen, weil ich eben auf meine Stimme setzte. Sie ist mein einzigartiger Kanal zur Außenwelt. Ob ich sexy, hübsch oder was auch immer bin, entschied bereits die Natur für mich. Eine Stimme ist ein einzigartiges Geschenk jedes Einzelnen von uns und dennoch: nicht jedem ist eine Singstimme gegeben worden. Um ihr Potential zu entfalten, bedarf es einer konsequenten Pflege und auch die Anerkennung, um dieser Stimme die Besonderheit zu bescheinigen.

♑︎

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