Genesis

Wo ein Anfang ist, dort ist auch ein Weg.
Die Aussage: „Ich singe, seit ich denken kann“ kennt Ihr zu gut, deshalb verzichte ich darauf und schreibe stattdessen über ein paar entscheidende Momente aus meiner Kindheit: meine ersten bewussten Gesangs- bzw. Auftrittswahrnehmungen.
Ich erinnere mich, dass wir bei einem irgendwie alt und gebrechlich wirkenden Mann zu Besuch waren. Da ich aber erst fünf Jahre alt war, könnte es sein, dass er auch nur krank war. Ich meine, in dem Alter wirken alle Menschen, die über vierzig sind, alt und gebrechlich. Die sämtliche Vorstellungen begrenzen sich auf die eigene Familie.
Ich weiß noch, dass mein Papa dabei war. Ich sang ein trauriges Volkslied, dessen Text mich gar nicht berührt hat, bis zu diesem Tag. Bis ich zum ersten Mal die „fremden“ Emotionen gespürt habe. Bis ich sah, dass mein Gesang einen fremden Mann zum Weinen bringt. Bis ich begriffen habe, wie Wörter die tief versteckten Gefühle erreichen und einen zum Loslassen helfen können. Es war magisch und emotional zu gleich. Magisch, weil ich ab diesem Tag meine größte Liebe – die Musik – nie mehr missen wollte. Emotional, weil ich an diesem Tag erfahren habe, was fühlen bedeutet.
Im gleichen Jahr wurde mir bestätigt, dass mein musikalisches Interesse rein natürlichen Ursprungs ist. Zwei Dozenten aus der Städtischen Musikschule suchten nach Talenten in meinem Kindergarten. Aus über hundert Kindern wählten sie zwei Naturtalente aus…und ich war eins von diesen Kindern. Das wäre so schön, wenn ich tatsächlich in dieser Schule meine Grundausbildung absolviert hätte, aber meine Eltern waren sehr jung und mehr mit sich selbst beschäftigt. Meine Geschwister und ich waren zur Zeit das ungewollte Übel ihrer Beschäftigung.  
Ich war bereits zwölf Jahre alt und nach unzähligen Auftritten mit verschiedenen Chören und bei unterschiedlichen Wettbewerben, wollte ich mein Schicksal in eigene Hände nehmen. Ich nahm an einer Vorstellungsprüfung für klassischen Gesang teil. Dort wurde mir geraten, meine natürlich rau klingende Stimme in einer Hochschule für Jazz, Blues und Popularmusik ausbilden zu lassen, damit diese natürliche Gabe nicht verloren geht. Leider war der Standort der nächsten Schule so viele Kilometer entfernt, dass ich in dem Alter diese Hürde nicht alleine bewältigen konnte.
Trotzdem oder gerade deswegen: seit diesem Moment war jeder weitere Tag ohne Musik unerträglich für mich. 
Musik ist mein Weg. Sie ist mein rettender Begleiter. Meine Seele. 
Bis zum nächsten Beitrag…
Socha B.
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